Altburg bei Stein-Wingert

Frühlatènezeit, Mittel-/Spätlatènezeit

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Luftbild: © GeoBasis-DE / LVermGeo RLP

Beschreibung

Größte eisenzeitliche Wallburg des Westerwaldes, halbinselartig in einer Nisterschleife zwischen Altburg, Alhausen und Stein-Wingert, teils über 70 m über dem Tal. Steilhänge schützen sie im Nordwesten, Nordosten und Süden; nach Westen und Südosten läuft das Gelände flacher aus. Acht Wallstrukturen (A–H) gliedern die Anlage, die mächtigsten im Norden sind bis 5 m hoch und 15 m breit. Ein bewehrter Zugang führt zur Nister, drei Furten in der Nähe machen den Platz zum Verkehrsknoten; die Sicht reicht dagegen kaum über das nahe Tal hinaus. Die Funde aus Sondengängen seit 2018 (Münzen, Fibeln, Gürtelhaken Typ Dünsberg, Pferdegeschirr, ein Hort deformierter Waffen) ordnen die Altburg der Lahn-Sieg-Gruppe zu und zeigen Verbindungen zum Dünsberg, nach Süddeutschland und ins östliche Treverergebiet.

Steckbrief

Anlagentyp
Wallanlage (unbestimmt)
Weitere Namen
Burgwall bei Croppach, Alteburg bei Stein-Wingert
Gemeinde / Gemarkung
Stein-Wingert
Landkreis
Westerwaldkreis
Land / Kanton
Rheinland-Pfalz
Topographische Lage
Bergsporn
Naturraum
Westerwald, Kroppacher Schweiz (Rumpffläche Burghardt), Halbinsel in einer Nisterschleife
Nutzungsphasen
Die Neufunde datieren überwiegend in LT D, Ansätze in LT C sind möglich, LT D2 ist am häufigsten belegt; die Münzen sichern die Nutzung in der Spätlatènezeit. Die Altkeramik reicht nach Behaghel von der späten Früh- bis ans Ende der Mittellatènezeit; ob ältere Funde eigene Phasen belegen, ist offen. Die 1917 von Schumacher/Ritterling vermutete Späthallstatt-Datierung der Wälle ist nicht belegt. Abfolge und Datierung der Wälle hängen an der unpublizierten Grabung Möller 1993–1995. Später Rennfeuerverhüttung des Mittelalters in den Bachtälern am Rand, landwirtschaftliche Nutzung (Tranchotkarte 1820 weitgehend unbewaldet), am Ende des Zweiten Weltkriegs Schützenstellungen am Wall G.
Koordinaten
50.72832 N, 7.73281 E

Literatur

  1. Manuel Zeiler, Peter Henrich: Die Altburg bei Stein-Wingert (Lkr. Altenkirchen) – Neubewertung einer eisenzeitlichen Wallburg im Westerwald. In: Archäologisches Korrespondenzblatt 51, 2021, S. 371–395 online
  2. Christian Möller: Die Altburg. In: Der Westerwald. Kreis Altenkirchen und Westerwaldkreis (Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland 26). Stuttgart 1993, S. 174–179
  3. Axel von Berg: Stein-Wingert, Westerwaldkreis. In: J. Kunow, H.-H. Wegner (Hrsg.): Urgeschichte im Rheinland. Jahrbuch des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz 2005. Köln 2006, S. 485–486
  4. Daniel Schäfer: Bericht über die geomagnetischen Prospektionen innerhalb der Wallanlage von Stein-Wingert, Westerwaldkreis. In: Berichte zur Archäologie in Rheinhessen 11, 2018, S. 27–32
  5. Karl Schumacher, Emil Ritterling: Beiträge zur Siedlungs- und Kulturgeschichte des Westerwaldes und des Taunus in der Hallstatt- und Frühlatènezeit. In: Nassauische Annalen 44, 1916/1917, S. 175–222
  6. Heinz Behaghel: Die Eisenzeit im Raume des Rechtsrheinischen Schiefergebirges. Wiesbaden 1949
  7. Karl August von Cohausen: Der Burgwall bei Croppach. In: Nassauische Annalen 17, 1882, S. 107
  8. Emil Ritterling: Funde zu Alteburg bei Stein-Wingert. In: Annalen des Vereins für Nassauische Altertumskunde 34, 1904, Sp. 64
  9. K. Klöckner: Germanische Fliehburgen. Die alte Burg bei Stein-Wingert. In: Westerwälder Schauinsland 1, 1937, S. 4–5
  10. Jens Schulze-Forster: Die latènezeitlichen Funde vom Dünsberg (Berichte der Kommission für Archäologische Landesforschung in Hessen 13). Rahden/Westf. 2015

Weblinks

Weitere Angaben (18)
Höchster Punkt
275 m ü. NHN
Höhe über Umland/Tal
70 m
Geologie
Devonischer Schiefer mit Gangeisenerzlagerstätten; degradierte Parabraunerden, Rohböden
Wasser in der Anlage
ja
Wasser – Anmerkung
Nister am Fuß der Steilhänge; ein bewehrter Zugang (W) führt hinunter, vermutlich zur Wasserversorgung. Im Nordosten ein saisonal schüttender Bach, im Innern keine Quellen bekannt.
Anzahl Wall-/Mauerlinien
8
Wallhöhe (max., heute)
5 m
Grundriss
unregelmäßig
Ausdehnung
880 m (längste Stelle) × 500 m (breiteste Stelle)
Anzahl Tore
7
Zugänge – Anmerkung
Sieben Walldurchlässe (T1–T7), viele durch modernen Wegebau überprägt. T1–T3 sind wahrscheinlich eisenzeitliche Tore (T1 mit einziehenden Wallschenkeln, dort quert heute die K 17 den Wall A). Vor T1, T3 und T5 liegen ebene, nicht mitbefestigte Vorflächen (AF1–3).
Befunde im Innenraum
Acht Wallstrukturen (A–H) gliedern die Anlage; die mächtigsten Wälle im Norden (A) sind bis 5 m hoch und 15 m breit. Das Innere ist meist hügelig, nur im größten Segment A liegt eine ausgedehnte ebene Fläche. Die Wälle lassen an mehrere Bauphasen oder gleichzeitig genutzte Teilareale denken (denkbar etwa F-E-D oder A-C, auch umgekehrt).
Datierungsgrundlage
Ausgrabung, Lesefunde, Typologie / Analogie
Ausgrabungen
1904–1905 Nassauischer Altertumsverein unter Emil Ritterling: mindestens elf Sondagen, vor allem an Wällen und Gräben; Lage und Dokumentation heute nicht mehr sicher nachvollziehbar. 1993–1995 Grabungen von Christian A. Möller, Vermessung mit Oliver Nakoinz; unpubliziert.
Prospektion
LiDAR / ALS, Geomagnetik, Metalldetektor, Begehung, Topographische Aufnahme
Wichtige Funde
Altfunde: latènezeitliche Keramik (Behaghel: späte Früh- bis Ende Mittellatènezeit), Ringhaken, eiserne Armbrustfibel (Abguss RGZM); die 1917 genannte Schwertfessel ist verschollen. Seit 2018 lizenzierte Sondengänger (Initiative P. Henrich): 18 keltische Münzen (u. a. fünf Sequaner-Potins, Quinare Typ Tanzendes Männlein und Nauheimer Typ, Regenbogenschüsselchen mit Dreiwirbel, Vogelkopfstater), zehn Fibeln (Bügelplatten-, Nauheimer, Schüsselfibeln), acht Tierkopfgürtelhaken Typ Dünsberg, Ringknopfgürtelhaken, Pferdegeschirr (Trense Typ Hofheim, Zügelführungsring Typ Verna, Jochaufsatz), neun Lanzen- bzw. Speerspitzen, Schaftlochaxt, Eimerattasche mit menschlichem Gesicht, Werkzeuge (Tüllenhacken, Stemmeisen, Messer). Drei Fundkonzentrationen; die dritte, vor Wall C außerhalb der Befestigung, ist ein Hort absichtlich beschädigter Waffen. Hitzedeformierte Stücke und Zerkleinerung deuten auf eine Buntmetallwerkstatt der Spätlatènezeit.
Bewuchs / Nutzung
Wald, Grünland
Eingetragenes Kulturdenkmal
ja

Quellen der Geodaten

  • Geländemodell: © GeoBasis-DE / LVermGeo RLP – geladen und berechnet im Browser über hillsha.de
  • Luftbild: © GeoBasis-DE / LVermGeo RLP, dl-de/by-2-0
  • Steckbrief: zusammengestellt aus der genannten Literatur; nicht aufgeführte Angaben sind unbekannt.
  • Gemeinde und Kreis: © BKG (2026) dl-de/by-2-0, Datenquellen (VG250, wo nicht aus der Literatur)